Wohnen
Ein Abend in der Ovelgönner Mühle:
Es ist 22.30 Uhr und Ruhe soll einkehren für jeden Bewohner. Aus den Zimmern hört man noch hier und da ruhige Musik oder etwas Geplapper vor dem Einschlafen.
In den Wohnungen, wo jeweils 2 bis 4 Menschen leben, hat man sich in das eigene, individuell eingerichtete Zimmer zurückgezogen. Der eine oder andere singt noch etwas vor sich hin, verarbeitet die Ereignisse des Tages oder sortiert noch Wichtiges.
Wohnen, das soll ein Lebensgefühl von zu Hause und Wohlfühlen sein. Ein Ort, wo man Ruhe und Zurückgezogenheit haben kann, aber auch eine lebendige Gemeinschaft, in der man sich austauschen kann. Dementsprechend sind das Wohnhaus und die Zimmer größtenteils mit selbstgebauten, mitgebrachten oder mit Erinnerung verbundenen Möbeln eingerichtet.
Eine eigene Wohnung, in der man mit seiner Wahlfamilie lebt, bedeutet Erwachsen sein, eigenverantwortlich leben können und sich von den Eltern zu lösen, sie aber weiterhin einbeziehen und empfangen.
Dabei sind sicherlich Grenzen für einzelne Bewohner erlebbar und es gilt, sie zu erkennen, auszudrücken und sich ggf. helfen zu lassen.
Die Mitarbeiter sind durch Begleitung, Schutz und Gespräche da, oder bei Bedarf zu schlichten und ordnend einzugreifen.
Es geht nicht nur um Alltäglichkeiten wie z. B. das Planen des Lebensmitteleinkaufes für die Wohnung, es geht vielmehr darum, Lebensfragen zu diskutieren, die jeder für sich hat oder die neu entstehen.
Nach Gesprächen oder Diskussionen ist die Stimung nicht immer entspannt an so einem Abend, denn schließlich bewegen die aufgetauchten Fragen, Aufgaben und Probleme die Seelen. Manchmal begleitet einen lautes Gebrüll oder Schlagen von Türen, es ist nicht leicht, Schlaf zu finden. Auseinandersetzungen erfordern von allen ein hohes Maß an Toleranz und Akzeptanz.
Dann beginnt der neue Morgen, an dem es wichtig ist, den Frühstückstisch schön zu decken und gemeinsam, ohne Streit, den neuen Tag zu begehen, an dem jeder seine Aufgabe zu erfüllen hat.
Im Rahmen der Umstrukturierung der Einrichtung wird das ehemalige Arbeitsgebäude so umgebaut, dass 6 Einzelappartments sowie Gemeinschafts- und Therapieräume entstehen.
Darüber hinaus wird ein Wohnhaus im Ortszentrum für ambulant betreutes Wohnen umgebaut. Hier enstehen weitere 4 Wohnplätze.