Unser Konzept - oder - wie alles begann....

Ideen werden zu Realitäten, je intensiver sie gedacht werden. Ideen entstehen durch Gedankenaustausch von Menschen.
In monatelangem Abwägen, wieder Verwerfen, Hinzufügen entstand ein erstes Ideengebilde, die "ideelle" Konzeption. Diese wurde Grundlage der Diplomarbeit einer Gründungsmitarbeiterin. So fanden die Ideen ihren Niederschlag in einem wissenschaftlich geprüften Rahmen.

Aus Anregungen durch Besuche verschiedener Wohn- und Arbeitsmodelle im In- und Ausland sowie den gemeinsamen Ideen entstand ein neues Konzept, das in dieser Form damals einmalig in Deutschland war:

Menschen mit und ohne Behinderungen sollten in gleichwertigen Wohnungen so selbständig wie möglich zusammenleben.Dazu wurde das Wohngebäude zu einem "Mehrfamilienhaus" umgebaut. Es entstanden Wohneinheiten für 1 bis 4 Personen mit einer vollständigen Küche und einem Wohnzimmer. Jeder hat sein eigenes Zimmer.

Das Aarbeitsgebäude sollte so umgebaut werden, dass Arbeitsbereiche für Holz, Bienenwachs und Keramik entstehen.

Die Infrastruktur und die äußeren Rahmenbedingungen sollten so gestaltet sein, dass die Bewohner mit auffälligem Verhalten sich trotzdem frei auf dem Gelände der Ovelgönner Mühle bewegen können.

Für die etwas selbständigeren Bewohner sollten Arzt, Einkaufsladen, Friseur,... zu Fuß erreichbar sein. Einige Bewohner waren ( und sind ) sogar so selbständig, dass sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln ihre Familien besuchen können. Auch dem sollte Rechnung getragen werden...

Die Idee sprach sich schnell herum und einige Eltern einer Waldorf-Sonderschule in Nordrhein- Westfalen bekundeten ihr Interesse.

Es wurden 2 Vereine gegründet:

Ein Trägerverein, der das Ganze betreiben würde,bestehend aus zukünftigen Mitarbeitern und Freunden.

Ein Förderverein, der die Immobilie erwerben und auch den laufenden Betrieb -wenn nötig -unterstützen würde, der sich aus interessierten Eltern bildete.

Man begab sich auf die Suche nach einem geeigneten Anwesen im Oldenburger Raum, das die hohen Ansprüche, die das Konzept stellte, erfüllen sollte.

Nach langer Suche fand man es in der Wesermarsch - das alte Mühlenanwesen in Ovelgönne.

Der Elternverein erwarb das Anwesen im Jahr 1988 und die Pionierarbeit begann unter provisorischsten Bedingungen. Eltern, zukünftige Mitarbeiter und Bewohner und Freunde packten tatkräftig mit an, jeder nach seinen Möglichkeiten.

Im Sommer 1990 konnten alle stolz auf die fertigen Arbeiten schauen. Neun Bewohner zogen in die ersten fertigen Wohnungen ein. Die anderen kamen im Jahr darauf. Für jeden Bewohner wurde zum Einzug ein Baum gepflanzt, so entstand der heutige Obstgarten.

 



Grundlage der Arbeit

Grundlage des Zusammenlebens- und arbeitens ist das von Rudolf Steiner entwickelte anthroposophische Menschenbild: Der Mensch mit einer geistigen Behinderung wird ganzheitlich gesehen, unabhängig von seiner Intelligenzentwicklung oder seiner Pflegebedürftigkeit. In Erscheinung tritt der individuelle Wesenskern, seine Persönlichkeit. Jeder Mensch erfüllt seine Lebensaufgabe, unabhängig, ob er behindert ist oder nicht.

Grundlage ist darüber hinaus das Normalisierungsprinzip: Dies beinhaltet das Ziel, den Menschen mit einer geistigen Behinderung ein so normales Leben wie möglich zuzugestehen. Das bedeutet nicht eine einseitige Anpassung des behinderten Menschen an die Gesellschaft, sondern vielmehr, die Umgebung und das soziale Umfeld zu normalisieren. Es gilt, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen die potentiellen Entwicklungsmöglichkeiten erkannt und gefördert werden können. Eine positiv stimulierende Umgebung kann zu Fortschritten in der Persönlichkeitsentwicklung und zur subjektiven Lebenszufriedenheit beitragen.

Eine weitere wesentliche Grundlage ist das Grundsatzdokument der internationalen Liga für Menschen mit geistiger Behinderung (ILSMH), das von Menschen mit geistiger Behinderung verfasst wurde:

- "Menschen mit geistiger Behinderung haben ein Anrecht darauf, am Leben ihrer Gesellschaft beteiligt zu werden und so wie andere Bürger auch eigene Entscheidungen zu treffen. Sie haben das Recht darauf:

  - Beziehungen mit Menschen innerhalb und außerhalb ihrer Familie einzugehen,

  - dabei unterstützt zu werden, eigenen Geschmack und eigene Ansichten zu entwickeln,

  - als Erwachsene bezeichnet und behandelt zu werden."

Vor allem aber haben sie ein Recht darauf, gehört und mit Respekt behandelt zu werden.

Eine weitere Grundlage unserer Arbeit bildet das gemeinsam entwickelte Leitbild, dessen Gültigkeit im Rahmen von Qualitätsmanagement regelmäßig überprüft wird.